Autor: Hendrik Petersen

Am 27.10.2018 spielen wir die einzige Hamburg-Clubshow in 2018. Was könnte da besser geeignet sein als der wunderbare Menschenzoo.

Mit dabei sind „Massephase“ aus Hamburg. Im letzten Jahr haben sie die schöne Hansestadt beim Deutschland-Finale des Emergenza Contests vertreten, im Oktober reißen wir dann gemeinsam den Kiez ab!

Tickets gibt es ab sofort im Shop!

Unser aktuelles Studioalbum mit dem Namen „HYPERMAXX 4000“ ist ab sofort im Handel erhältlich.

 

Kaufen kann man das gute Gerät in allen gängigen Onlinestores wie iTunes und Amazon, oder als klassischen CD-Tonträger bei uns im Shop sowie auf Konzerten.

Auch per Streaming bei Spotify und Co. erhältlich.

Es wird wieder laut im Hause Feldweg!

 

Auch 2018 wollen wir es nicht versäumen, euch eine gehörige Portion unseres "Hypermaxx 4000" um die Ohren zu hauen.

 

Wir spielen in diesem Jahr überwiegend auf Festivals, aber haben auch einige ausgewählte Clubshows für euch vorbereitet.

 

Die Termine findet ihr wie üblich mit genauen Informationen HIER.

 

MfG, DMF.

Es ist gar nicht lange her, da war noch Winter. Dann kam nach einem etwa dreitägigen Frühling der sogenannte "Sommer", der laut Wikipedia in unserer Klimazone die wärmste Jahreszeit ist. Bei Wikipedia steht aber allerlei Quatsch, wie man weiß, und so sind wir uns auch bei dieser Definition nicht ganz sicher, ob sich nicht der Fehlerteufel eingeschlichen hat. Bisher gab es in diesem Sommer exakt zwei Stunden am 04. August warmes Wetter.

 

Jedenfalls ist der Festivalsommer schon fast wieder vorbei und wir haben nichts davon mitbekommen. Das ist für uns aber kein Problem, denken wir uns und wollen heute mal mit dem schönen Bandbus nach Schwanewede zotteln. Man hat uns auf das "Rock den Deich"-Festival eingeladen. Selbstverständlich haben wir vorher nicht geprobt (unser Geheimrezept für perfekte Auftritte), sodass wir das kurzfristig mittags nachholen, bevor wir den ganzen Krempel in den Monsterbus einräumen.
Heute darf Finn fahren. Wir finden zwar, dass er das mit seinen jungen Jahren schon ganz gut macht, aber Bennet bietet ohne einen bestimmten Grund eine Ausweichmöglichkeit an, in seinem Auto mitzufahren. Niemand will im Bus mitfahren. Es wird gelost.

 

 

Mitten auf der Autobahn kocht die Laune bei Petrus mal wieder ins Unermessliche, wie wir es ja in diesem Jahr schon gewohnt sind. Er zieht alle Register und prüft kurzerhand direkt über uns, wieviel Wasser er gleichzeitig aus dem Himmel auf die Erde schmeißen kann. Nach dem Superwetter in Kiel kommt langsam der Verdacht auf, dass wir es uns in irgendeiner Form mit ihm verscherzt haben.

Alles halb so schlimm: In Schwanewede scheint die Sonne und auf dem Platz vor der Bühne stehen gut und gerne 1000 Leute und lassen kühle Biere die Kehle runtergluckern. Das wollen wir auch! Nachdem die Backstagepässe abgeholt sind und wir uns ebenfalls dem Zapfhahn widmen möchten, beginnen unsere Augen zu leuchten. Kein Wort von Getränkemarken! Wir dürfen mehr als nur zwei Getränke trinken. Wir werden wie Menschen behandelt!

 

 

Der verfressene Teil der Band widmet sich jetzt dem umfangreichen Buffet, der Rest schaut sich schon mal ein paar Bands an. Außerdem steht ein Interview für den Facebookkanal an und auch der Weserkurier schaut vorbei und stellt intime Fragen.
Im Backstage laufen auffällig viele Feuerwehrleute rum. Wir fragen uns, ob die hier etwa Rammstein als geheimen Headliner gebucht haben oder ob die Feuerwehr nur Spaß daran hat, in ihren dicken Uniformen herumzulaufen. Als ob die gewusst haben, was wir heute planen, har, har, har!

 

 

Gegen 21 Uhr müssen wir uns vom Buffet lösen und rollen uns langsam auf die Bühne. Die Besuchermasse ist noch mal auf das Doppelte angewachsen und die Allermeisten scheinen sich sogar für uns zu interessieren! Na dann los!
Wir spielen eine Stunde und haben heute ganz besonders viel Spaß! Philip verliert nicht so oft seine Sticks, Finn zeigt seinen nackten Arsch und dann haben wir auch noch vom Rock im Moor vorletzte Woche ein paar Wasserbälle überbehalten, die wir übermütig ins Publikum pfeffern. Die Leute vor der Bühne feiern gut mit und sehen über unsere obligatorischen Fehler entspannt hinweg.

 

 

Beim letzten Lied "Sommer, Sonne, Bier" kommt dann unser Highlight des Festivalsommers: Wir haben irgendwo (Ort ist der Redaktion bekannt) eine völlig verwahrloste, vor Angst zitternde Feuerwerksbatterie gefunden und sie adoptiert. Bei uns hatte sie es wirklich besser. Heute sind wir fest entschlossen, sie einzusetzen. Niemand kann uns stoppen! Da sie uns mehr oder weniger über den Weg gelaufen ist, können wir nicht sagen, ob das Ding manipuliert ist und was es kann, aber wir lassen uns nicht beirren.
Als die Feuerwehr entdeckt, was Per-Ole während des Auftritts da hinter der Bühne aufbaut, werden sofort jegliche Mannen von ihren Posten abgezogen und rund um den Brandstifter mit den wahnwitzig leuchtenden Augen aufgestellt, der gerade wild entschlossen mit einem Feuerzeug rumfuchtelt und zum abgesprochenen Zeitpunkt das Spektakel einläutet. Und alle so: aaaaaah und ooooh. Wir können das alles nicht sehen, aber es scheint zu funktionieren.

 

 

Nach der Show sollen wir am T-Shirt-Stand noch allerlei Dingen mit unserem Namen bekritzeln. Verrückterweise gibt es viele Menschen, die ein Foto mit uns Vögeln haben wollen. Wir sind nicht sicher, ob sie es brauchen, um dann jedes Mal herzlich zu lachen, wenn sie unser Foto an ihrem Kühlschrank hängen sehen, aber wir spielen das Spiel mal mit. Eine sehr elementare Frage des Publikums beschäftigt uns noch lange: Ist der Feldweg eigentlich drei Meter lang oder drei Meter breit.

Und es geht schon wieder los! Nachdem wir unsere Sachen für exakt eine Probe komplett im Proberaum aufgebaut hatten, bauen wir sie auch schon wieder ab und laden den Monsterbus Melissa voll bis oben hin, um damit ins schöne Brandenburg zu tuckern.
Hier findet man noch große Weiten unberührter Natur und über die gigantischen Felder fahren die einsamen Bauern tagelang mit ihrem Traktor umher und ernten die Frucht, um die Familie zu ernähren. Einfach wundervoll. Achja, und mitten in diesen Feldern sichtet man heute uns, denn Wir beschließen, nicht den staureichen Weg über die Autobahn zu nehmen, sondern querfeldein durch Felder und Wiesen zu fahren, um uns auf das schöne Brandenburg einzustimmen.

 

Wieder haben wir die ganze Woche über um unseren Mercher und Manager Per-Ole bangen müssen, da dieser, nachdem er schon zuletzt nicht dabei war, von einer biestigen Halsentzündung heimgesucht wurde, die ihn zur Einnahme von fiesen, gemeinen Pillen zwingt. Fiese und gemein deswegen, da der Arzt den Konsum von Alkohol untersagt hat. Aber auch er ist pünktlich am Abfahrtort und kann somit der heutigen Reisegruppe angehören. Seine Halsschmerzen schiebt er auf eine Mandelentzündung, aber wir sind uns nicht sicher, ob nicht sein permanenter Pfeffi-Konsum (es gibt immer einen Mercher-Pfeffi an Bord) dafür gesorgt hat, dass ein wuchernder Pfeffipilz in seinem Hals wächst. Sein Antibiotika-Konsum sorgt allerdings für kollektives Aufatmen in der Band, da er heute darauf verzichtet, allen anderen Mitreisenden ständig Pfeffi anzudrehen.

Besonders Finn zeigt sich erleichtert, sofern er schon wieder in der Lage ist, irgendwelche Emotionen von sich preiszugeben. Offensichtlich hat ihm der betrunkene Gott gestern besonders übel mitgespielt, denn er ist weder gesprächig, noch beweglich und verwahrlost einfach unter Ächzen und Stöhnen in einer besonders versifften Ecke des Busses.

 

Die Fahrt ist geprägt von Blitzern. Besonders in Lüchow-Dannenberg scheint man auf diese Einnahmequelle angewiesen zu sein, sodass einfach hinter jedem Baum eine Radarfalle errichtet wurde. Trotzdem kommen wir schon bald ungeblitzt im schönen Brandenburg, genauer gesagt in Boberow, an. Dort gibt es heute das Rock im Moor-Festival zu bestaunen.
Das Festival befindet sich mitten in einem Garten einer Festscheune und nirgends sind Menschen zu sehen. Daher fahren wir einfach mit dem Bus direkt vor die Bühne. Schon beim Aussteigen begrüßen uns erste Mitglieder der Alex Mofa Gang, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben. Daher halten wir erst einmal Ausschau nach einem wohltemperierten Bier.
Aber wir müssen sorgsam damit umgehen, denn erneut machen wir Begegnung mit den allseits geliebten Getränkemarken.

 

Als erste Band des Abends dürfen wir aufbauen und einen ausführlichen Soundcheck machen. Dieser verläuft ohne große Vorkommnisse, also überlegen wir uns, mit unserer einzigen Essensmarke pro Person lecker was essen zu gehen. Der Burger sieht besonders gut aus, aber ist leider zu teuer für die Essensmarke. Daher müssen wir uns mit einer gut durchgebratenen Bratwurst begnügen. Nachdem der verkohlte Prengel verdrückt ist, besichtigt ein Teil der Band die heutige Schlafunterkunft. Im Dorf kommen wir bei einem der Veranstalter unter und dürfen in einer Scheune mit Betonfußboden schlafen. Glücklicherweise haben aber alle Reisegefährten ihre Isomatten mit.

Unser Auftritt beinhaltet heute ein besonderes Highlight. Die Veranstalter von Rock im Moor möchten ein Imagevideo drehen, also stellen sie eine Szene von Game of Thrones nach. Wir staunen nicht schlecht, als plötzlich pünktlich zu unserem Auftritt das ganze Dorf und noch viel mehr Zeltplatzbesucher vor unserer Bühne stehen und dem Spektakel beiwohnen, das wir geben sollen. Wir sind als Schauspieler engagiert und müssen unser zweites Lied fünfhundertsiebzig Mal abbrechen und neu anfangen, weil es so im Skript steht. Die Masse ist begeistert!

 

Nach zwei weiteren Stücken leert sich der Platz aber wieder zusehends, weil noch niemand seine letzte Brause auf dem Zeltplatz ausgetrunken hatte und dies nachholen will. Für den Rest des Auftritts haben wir also nur noch so mittelviel Publikum. Da wir keine Konfettikanonen benutzen dürfen, haben wir dieses Mal aufblasbare Bälle mit. Die landen aber nach wenigen Sekunden im Gebüsch, das das Festivalgelände umzingelt. Nagut, dann trinken wir halt weiter Bier. Was soll man auch machen, mit 17, 18, in Brandenburg, wie Reinald Grebe schon sang.
Wir verfolgen noch den Auftritt der Alex Mofa Gang, die die Bude mal wieder gründlich abreißt, bevor wir sie zu ihrem Bus begleiten, der auch dort steht, wo wir schlafen sollen. Internet gibt es leider nicht, aber ansonsten haben sie hier eine sehr gute Landschaft, im schönen Brandenburg.

Heute steht eine Reise nach Kiel an! Da wollten wir schon immer mal spielen, denn es gibt Schiffe, und Seeluft und überhaupt. Da kommt uns der berühmte "Bootshafensommer" natürlich wie gerufen. Schon nachmittags wagen wir bange Blicke in die Wetterprognose - der Wettergott wütet wild! Es regnet und stürmt und wirklich warm ist es auch nicht. Na dann hoffen wir mal das Beste, schließlich wollen wir ja Open Air spielen.

 

Kurz vor der Abfahrt ein Anruf: Per-Ole berichtet uns davon, dass er es nicht schafft, rechtzeitig am Proberaum zu sein, sodass wir den Verkaufsstand heute komplett alleine betreuen sollen. Klar, und am Mischpult und am Wurststand werden auch noch Leute gebraucht, während wir spielen. Wir sind mittelmäßig verzweifelt und rufen wahllos Leute in unseren Telefonbüchern an, die wir für auch nur in Ansätzen geeignet halten, 2 und 2 zusammenzuzählen. Da es aber noch hellichter Tag ist und normale Leute um diese Zeit arbeiten, zur Schule gehen, studieren oder einfach nur Playstation zocken, findet sich kein treuer Begleiter für unseren Weg.

 

Also zu fünft ab nach Kiel. Dort bietet sich uns ein interessantes Bild. Alte und junge Menschen sitzen Hand in Hand auf Stufen und lauschen den entspannten Klängen einer Akustik-Band, die auf einer mitten in einem künstlichen Teich schwimmenden Bühne einige Songs zum Besten gibt. Passanten essen ein Eis, bleiben kurz mit ihren Rossmann-Tüten stehen, plaudern angeregt auf den Bierbänken und sitzen zwischen Palmen und trinken einen Kaffee. Einige Kinder toben verspielt auf den Stufen vor der Bühne und eine Frau mit Blumen im Haar schwebt durch die Menschenmenge. Im Hintergrund glitzern Feen und Einhörner und schwängern die Luft mit Weihrauch und Rosenduft...

 

Gut, das mit den Einhörnern und Feen haben wir uns ausgedacht, aber der Rest stimmt soweit. Wir schauen uns an und fragen uns, ob wir uns verfahren haben oder ob wir hier richtig sind. Und was wir hier sollen. Wir suchen den Veranstalter, der uns freudig empfängt schleppen danach alles vom Parkplatz zur Bühne. Leider ein recht weiter Weg, da wir vergessen haben, unser Bandboot mitzubringen.

Als das erledigt ist, wollen wir unseren T-Shirt-Stand aufbauen, nur leider gibt es dafür nicht wirklich Platz. Wir kriegen eine kleine Ecke inmitten einer Mini-Bude zugewiesen, die hauptsächlich mit Bierkisten gefüllt ist, und versuchen, so gut es geht aufzubauen. Da unser Stamm-Mercher ja nicht dabei ist, gelingt das quasi nicht. Wir stellen alles wild auf und hoffen, das könnte gut aussehen. Von weitem denkt man aber eher, in dieser Bude gibt es original nachgebaute Kriegsschauplätze zu bestaunen. Während unseres Konzertes verkauft niemand.

 

Pünktlich zu unserem Soundcheck fängt das nahgelegene Meer an, sich direkt über uns zu ergießen. Es pladdert in Strömen, ausgerechnet als wir anfangen sollen. Damit gibt es heute Abend eine Premiere. Dies ist der erste Open-Air-DMF-Auftritt, bei dem es regnet. Die Musikfreunde aller Altersschichten sind aufgrund des unangenehmen Wetters nahezu verschwunden. Sie verstecken sich unter Sonnenschirmen, die zu Regenschirmen umfunktioniert wurden, oder unter dem Dach der Wurstbude. Und wir stehen 100 Meter entfernt auf der Bühne und fangen an, von "Sommer, Sonne, Bier" und der "schönsten Zeit des Lebens" zu singen. Dabei tun wir so, als wären tausend Leute vor der Bühne. Vermutlich wirkt das alles recht trostlos, aber wir haben Spaß.

 

Doch das Wetter wird besser und offensichtlich interessieren sich die ersten Leute für unser Gekrächze. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass das benachbarte Karstadt gerade Feierabend gemacht hat. Plötzlich wandern einige Gestalten über den Steg zu uns und fangen an zu pogen. Wir sind stolz und freuen uns. Manche davon können sogar unsere Lieder mitsingen. Unser Lied über Wochenendsäufer kündigt Simon damit an, dass wir ja auch einen Bildungsauftrag haben. Vor ihm stehen mehrere drei- bis fünfjährige Kinder. Wir glauben, wir treffen damit den Zahn der Zeit.

 

Nach unserem Auftritt, bei dem erstaunlicherweise niemand der wild Pogenden ins Wasser gestürzt ist, bauen wir schnell ab und fangen an, unseren Kram zu verkaufen. Leider kommt niemand zu unserem liebevoll gestalteten Stand. Also machen wir einen auf mobile CD-Verkäufer und unterwandern die Passanten. Auf diesem Wege werden wir doch noch einige Tonträger los und können gemütlich zurück nach Hause fahren. Wir sind schon um 23 Uhr wieder zuhause und haben alles im Proberaum verstaut. Auch das ist eine Premiere.

Wo liegt eigentlich Dieburg? Der Diercke Weltatlas sagt, Dieburg liegt zwischen Aschaffenburg und Darmstadt – Südhessen also. Das wissen wir allerdings auch erst, seit wir für das Traffic Jam Open Air bestätigt wurden, was in selbiger Stadt beheimatet ist. Auf dem Programm stehen große Namen wie Sondaschule, Royal Republic, ZSK, Crazy Town – und eben Drei Meter Feldweg. Entsprechend herrscht  Vorfreude, obwohl wir uns quasi mitten in der Nacht zur Abfahrt treffen.

 

Um die Fahrt ein wenig nerviger zu gestalten, hat Bennet beschlossen, ein Megaphon mitzunehmen. Zu unserem Unmut hat das gute Stück einen dämlichen „Olé olé olé“-Modus, den wirklich keiner leiden kann. Außer Bennet halt. Apropos Olé: Per-Ole wird mal wieder irgendwo in Hannover eingesammelt, wo er abseits des glamourösen Bandmanager-Mercher-Organisator-Tourleiterlebens sein trostloses Dasein fristet. Aufgrund der fiesen Lautstärke des Megaphons finden wir uns auch relativ schnell am vereinbarten Treffpunkt und können weiterzotteln.

 

Das ungeschriebene Gesetz im Bus besagt: Der Beifahrer ist für die musikalische Gestaltung der jeweiligen Fahrt verantwortlich. Nachdem wir es geschafft haben, die Sprache des Radios von türkisch auf deutsch zu stellen, ist also Finn a.k.a. DJ Diesel in der Verantwortung. Er versorgt den Bus mit einem bunten Potpourri aus fieser Schreimusik, Straßenrap und 80er Klassikern. Das trifft allerdings nicht bei allen Mitfahrern auf volle Zustimmung.

 

Da wir in aller Herrgottsfrühe losgefahren sind, haben wir Per-Ole damit beauftragt, die Zutaten für ein schmackhaftes Frühstück zu besorgen und so machen wir am nächstbesten Rastplatz Halt und rasten erst einmal. Dort werden wir zum einen von einem hartnäckigen Schwarm Wespen terrorisiert, zum anderen müssen wir feststellen, dass durch Per-Oles immer aufringlicher werdender Pfeffi-Affinität auch eine Flasche edlen Pfefferminz-Likörs zum Frühstück eingeplant wurde. Die sollte uns später allerdings von großem Nutzen sein, da die Raststättentoiletten aufgrund von Geruch nur betretbar sind, während man einen großen Schluck Pfeffi im Mund hat, der den bestialischen Gestank überdeckt.

 

Beim Traffic Jam angekommen erhalten wir erst einmal die obligatorischen Getränkemarken, mit denen die Veranstalter verhindern wollen, dass eine Band das ganze Festival alleine leertrinkt und nicht mehr vernünftig Musik machen kann. Ein Glück, dass es Getränkemarken gibt. Wir sind wirklich froh, dass das ein bisschen reguliert wird. Echt jetzt. Wenn wir uns so umschauen, drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass einige Musiker anderer Bands ihre Marken schon restlos eingelöst haben.

Per-Ole kümmert sich wie gewöhnlich um den Merch-Stand, den er im Laufe der Zeit wirklich perfektioniert hat. Das Sortiment umfasst z.B. mittlerweile Hüte, Mützen, Pfeffi, CDs, Shirts, Pullover, Pfeffi, Plektren, Turnbeutel, Pfeffi, Buttons, Aufkleber oder Feuerzeuge. Der Pfeffi ist hauptsächlich dafür da, Per-Oles Eigenbedarf zu stillen und sich bei anderen Merchern beliebt zu machen.

 

Bei einer kurzen Stippvisite auf dem Campingplatz stellen wir schnell fest, dass hier ein gepflegter Bier-Abbelwoi-Mischkonsum herrscht. Die Leute haben auf jeden Fall große Pläne. Schnapsleichen werden zum Beispiel. Wir können grade so entkommen und schaffen es noch rechtzeitig zu unserem Konzert zurück auf die Bühne.

Von dort aus hat man einen super Blick auf den angrenzenden Friedhof mit windschiefen Steinkreuzen – wie aus dem Film. Nachdem kurzzeitig ein Gewitter über dem Gelände wütete, hat die Temperatur bei unserem Auftritt wieder die 40 Grad Grenze erreicht. Wir schwitzen wie die Schweine und das Publikum schwitzt mit. Es gibt Crowdsurfer, Circle Pits und sogar Ruderer. Wir sind rundum zufrieden. Vor allem, weil Bennet das Megaphon im Bus vergessen hat.

 

Der Merchverkauf läuft heute eher zäh. Später erfahren wir, dass unsere Sachen nicht hässlich sind, sondern die Leute ihr gesamtes Vermögen schon am Vortag in Getränke investiert haben. Dann müssen wir ja doch keine T-Shirt-Verbrennung planen.

 

Später am Abend dann unser persönliches Festival-Highlight: Crazy Town! Wir kennen natürlich nur einen Song und davon auch nur den Refrain, aber den singen wir natürlich umso lauter mit: „You’re my butterfly, sugar, baby!“ Der Rest des Sets ist auch überraschend gut. Am Ende zieht sich der Bassist aus und wir überlegen, ob wir das Showelement übernehmen sollten. Dann noch ZSK und ab nach Hause!

 

 

Das ist allerdings leichter gesagt als getan bei einem über 500 Kilometer langen Heimweg mit Zwischenstopp in Hannover. Die Fahrt verläuft eigentlich ohne jegliche Ereignisse. Alle sind fertig und betrunken, aber niemand kann so richtig schlafen. Es ist unbequem, in unserem Monsterbus zu nächtigen. So schlagen wir irgendwie die fünf Stunden tot. Eigentlich wären es nur vier Stunden gewesen, aber zwischenzeitlich beschließt das Navi, uns mal so richtig in die Irre zu führen, sodass wir ewig lange in die falsche Richtung fahren, ohne abbiegen zu können, weil Baustelle. Ärgerlich popärgerlich…

 

 

Wir haben früher mal eine Tradition gehabt, unsere Erlebnisse auf Tour in Worte zu fassen und als Erinnerung auf unsere Page zu schreiben und ihr fandet es gut. Dann haben wir es vergessen. Jetzt fiel es uns wieder ein und wir versprechen feierlich, wieder sorgfältiger mit dieser Tradition umzugehen.

 

Daher stellen wir voller Stolz vor: Neue Tourberichte! Los gehts mit Wilwarin, Gott sei Punk und Updreihn an de Utfahrt. Findet ihr oben im Reiter „Tourberichte“!

 
In den nächsten Wochen kommen dann noch ein paar weitere hinterher!