Die Schweinenasen bitten zum Tanz – 30.07.2016, Bockpalast Festival

Nun denn. Da der Großteil der Band seit Wochen in einer Art Faulheitsschlaf steckt und der Rest in einem äußerst schleichenden Prozess am neuen Studioalbum arbeitet, bekommt es wieder keiner auf die Reihe, die längst überfälligen Tourberichte zu schreiben. Leichtsinnigerweise dachte sich mein madenzerfressenes Hirn irgendwann: Na gut, dann schreib ich den doch einfach. Kann ja nicht so schwer sein. Weit gefehlt. Jetzt sitze ich hier und versuche, Erlebnisse vom Bockpalast in Worte zu fassen, die auch noch locker drei Ewigkeiten zurückliegen. Bevor es losgeht, starten wir allerdings mit einer kurzen Vorgeschichte:

 

Anfang des Jahres haben wir in Celle bei einer kleinen, aber feinen Veranstaltung gespielt. Während des Auftritts war der Wunsch einiger Zuschauer, Schweinenasen-Aufkleber auf unserem gesamten Equipment zu verteilen. Wir ließen sie selbstverständlich gewähren und so wurden unsere teuren Instrumente (und aus unerklärlichen Gründen auch Philips Handy) sogleich mit diesen ominösen Stickern verschandelt. Vermutlich fand die Schweinenasen-Gang das so gut, dass wir direkt dem Booking-Team vom Bockpalast vorgeschlagen wurden. An unserer Musik kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Jedenfalls ist es jetzt, gut ein halbes Jahr später, soweit und wir können uns musikalisch wieder am Celler Publikum und der Schweinenasengang austoben.

 

Wir hacken also den Ortsnamen Bockelskamp ins Navi und das kluge Gerät schlägt uns einen kleinen Ort direkt bei Bremen vor, der etwa 150 Kilometer von unserem eigentlichen Zielort entfernt liegt. Wir durchschauen diesen hinterhältigen Sabotageversuch des Apparates natürlich sofort und lassen uns stattdessen lieber nach Celle navigieren, um auf Nummer sicher zu gehen. Außerdem wollen wir ja auch irgendwann dem Bier näher kommen.

In Bockelskamp angekommen, machen wir uns als erstes mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Der Backstage ist ein mit Flatterband abgesperrtes Zelt. Beim Hineinschleppen unserer Sachen stoße ich mir jedes Mal am niedrigen Eingang die Rübe. Interessanterweise ist mein Lerneffekt dabei gleich Null, da sich das Schauspiel am Abend noch lockere 15 Male wiederholen wird.

 

Eine riesige Wiese wurde mit Bier-und Bratwurstständen ausgestattet und auf einem Anhänger macht eine Band schon einen Soundcheck. Es handelt sich um Freight Train Hobos. Sie sollen später in den Umbaupausen für gute Laune sorgen. Wir fragen uns kurz, ob wir wohl auf diese zugegeben relativ kleine Bühne passen.

Glücklicherweise entdecken wir in diesem Augenblick die Hauptbühne. Sie hat zwar ein rundes Bühnendach, ist dafür aber gut drei mal so groß wie die Anhängerbühne. Da wir die erste Band sind, die auf dem guten Stück spielen soll, dürfen wir gleich aufbauen. Die größte Herausforderung ist dabei das fachgerechte Aufhängen unseres Bühnenbanners. Mal hängt es schief, mal hängen Seile davor. Und überhaupt kann niemand einen vernünftigen Knoten machen! Was soll das?

 

Bennet ist währenddessen mal wieder im Arbeitsmodus und kann die Maloche einfach nicht ruhen lassen. Er kommt daher erst an, als wir schon fast komplett aufgebaut haben. In Arbeitskleidung versteht sich. Innerhalb von 10 Sekunden hat er sich allerdings schon umgezogen und stellt sein Mikrofon auf die Bühne – fertig. Damit ist Drei Meter Feldweg spielbereit – fast.

Denn wir Geilis haben natürlich wieder ein wunderschönes Intro vorbereitet, dass wir selbstverständlich auf einem heute üblichen USB-Stick, Handy, iPod UND mp3-Player dabei haben, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Es kann also nichts schief gehen – eigentlich. Der Tonmann, der sonst einen Super-Job macht, ist etwas älteren Baujahres und sein Equipment dementsprechend auch. Das einzig vorhandene Einspielgerät ist ein CD-Player. Wir überlegen kurz, einfach eine unserer eigenen CDs abzuspielen und einen Playback-Auftritt hinzulegen, verwerfen diese Idee dann aber doch relativ schnell wieder.

 

Per-Ole baut zeitgleich unseren Merch-Stand auf einer sehr schiefen Bierzeltgarnitur auf. Mittlerweile ist unser Sortiment so gewachsen, dass wir erstaunt sind, dass er das Ganze so übersichtlich und optisch ansprechend hergerichtet bekommt. Heutiges Highlight: Er hat eine Art Nadelkissen für unsere Buttons gebastelt. Guter Mann!

Zu diesem Zeitpunkt laufen ca. 20 Mitarbeiter auf dem Gelände herum. Sonst nur noch die anderen Bands… Ein Veranstalter beruhigt uns: „Keine Sorge. Das wird hier noch RICHTIG voll. War immer so. Das findet schon seit 37 Jahren statt. Es kommen immer so locker 1.000 Leute.“ Wir haben Sorge, dass wir nur für den Ton- und den Lichtmann spielen, wollen den beiden aber natürlich auch eine bombastische Show bieten, also ziehen wir uns um und sind bereit für den Auftritt.

 

Doch kurz bevor es losgeht, kommen die Massen! Besucher aus jeder Altersgruppe strömen auf die bratwurstduftgeschwängerte Wiese. Als wir anfangen zu spielen, hängen die meisten Leute noch am Bierwagen, aber im Laufe des Abends versammeln sich immer mehr Leute vor der Bühne, die teilweise sogar mitsingen können! Phantastisch! Direkt vor unserer Nase tanzen 5-Jährige Pogo und schmeißen sich gegenseitig um, während die Eltern lieber entspannt ein Bier wegzwitschern. Finn steht zwischenzeitlich zwischen ihnen und spielt von dort aus weiter.
Natürlich ist auch die Schweinenasen-Gang, denen wir den am Ende doch sehr schönen Auftritt zu verdanken haben, wieder am Start und wünscht sich Lieder von Müttern, die Lastkraftfahrzeuge ziehen. Und selbstverständlich kleben am Ende des Tages wieder alle Instrumente voller dubioser, rosafarbener Aufkleber, deren Hintergrund wir bis heute nicht so recht erfahren haben! Aber wir kommen gerne wieder! Vielen Dank!

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