Was ist eigentlich ein Gabelbock? – 12.&13.08.2016, Bremen / Rock den Lukas Festival

Liebste Leserschaft,

 

habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, warum unsere Tourberichte manchmal extremen Qualitätsschwankungen unterliegen? Nein? Ich verrate es euch trotzdem. Das liegt daran, dass Finn der einzige Mensch in der unserem kleinen Künstler- und Trinkerkollektiv ist, der Texte (allerdings keine Liedtexte) zu Papier bringen kann, die manche Leute im weitesten Sinne als „unterhaltsam“ beschreiben würden. Da Finn allerdings wesentlich länger an einem Tourbericht sitzt, als am eigentlichen Konzert, müssen die anderen auch gelegentlich Berichte schreiben.
Diese lieblosen Buchstaben-Anhäufungen werden natürlich Finns Qualitätsansprüchen an die Marke Drei Meter Feldweg (die zweifelsohne mit höchster Fertigungsqualität verbunden wird) nicht einmal ansatzweise gerecht und so muss er den Text trotzdem jedes Mal komplett umwerfen und neu schreiben. Einige dieser Texte sind so furchtbar, dass sie trotz doppelten Lektorates und Festplattenformatierung zwangsläufig nicht mehr gerettet werden können.Hier ein Beispiel für einen solchen lyrischen Totalschaden:

 

Normalerweise verfassen wir für jeden Auftritt einen einzelnen Tourbericht. An diesem Wochenende flossen die Tage allerdings wie in einem langen, anstrengenden Fiebertraum ineinander über, daher gibt es nur einen Text, in dem das gesamte Wochenende zusammengefasst wird.

Da wir immer noch keinen eigenen Tourbus haben (Wink mit dem Zaunpfahl an alle reichen Leute dieser Welt), müssen wir uns im Vorfeld mal wieder auf Tourbusschnorrtour begeben und sämtliche Gefallen einlösen, die wir bis dahin so gesammelt haben. Wir werden relativ schnell fündig und müssen nur kurz eine Küche und ein Bett ausbauen, bevor wir den Boliden für unsere Zwecke missbrauchen können. Wie immer stellen wir fest: Ein Bus ist fantastisch (zweiter Wink mit dem Zaunpfahl)! Wir bekommen unser komplettes Equipment plus Campingkram ohne Probleme unter, obwohl wir die komplette PA mit nach Bremen nehmen müssen. Geiler Scheiß.

 

Weil Finn in den letzten Jahren vor allem dadurch geglänzt hat, sich vor dem Lenkrad zu drücken und deshalb höchstens so oft gefahren ist, dass es sich ein einarmiger, extrem ungeschickter Holzfäller grade noch so an seinen verbliebenen Fingern abzählen könnte, bietet er großspurig seine Fahrdienste an. Ein Fehler, wie sich herausstellen soll. Auf der Fahrt nach Bremen trifft es ihn dann wie einen Faustschlag ins Gesicht: Nach dem Auftritt in Bremen wollen wir direkt zum Festival weiterfahren. Finn darf also den ganzen Abend nichts trinken. Eine völlig neue Situation für alle Beteiligten. Die anderen kommen über diesen Schock allerdings relativ schnell mit Hilfe von Alkohol hinweg.

 

In Bremen angekommen wird erstmal das ganze Equipment ausgeladen und in der Kneipe verteilt. Dabei werden vereinzelte Gäste zwischen Cases, Koffern und anderem Bühnengerödel so eingebaut, dass sie ihren Platz nicht mehr verlassen können und so dazu verdammt sind, weiter Bier zu trinken und uns beim Aufbauen zuzuschauen. Der Wirt nickt uns anerkennend zu. Die Bühne im Mono ist ungefähr so groß, dass sich ein Mariachi-Trio dort nicht gegenseitig auf die Füße tritt. Vorausgesetzt, keiner von ihnen tanzt.

 

Weiteres Erwähnenswertes: Neben der Bühne hängt ein lebensgroßes Bild von Jesus, welcher uns argwöhnisch beäugt; es ist tierisch heiß; wir haben Ventilatoren auf der Bühne; Moshpit ist wild; Team vom Mono ist super.

 

Es sind viele bekannte Gesichter anwesend und so wird nach der Show noch ein bisschen getrunken. Eigentlich wollten wir beim „Rock den Lukas“ um ca. 00:00 Uhr aufschlagen, doch uns wird schnell klar, dass wir den Zeitplan nicht mal einhalten könnten, wenn wir die Zeit stoppen und fliegen würden. Wir telefonieren mit dem Festival und deuten an, dass wir ein bisschen später kommen könnten. Schnell werden die Sachen und Fans, die mitkommen wollen, eingeladen und wir reiten Richtung Festival los. Nach etwa 3 Minuten Fahrtzeit wird allerdings schon beim goldenen M angehalten und sich noch kurz gestärkt. Finn ist genervt von betrunkenen Musikern, die nicht er sind. Dann geht die lustige Fahrt weiter.

 

Im Laufe der Zeit werden die Straßen immer schmaler und unbefestigter und wir befürchten schon, dass wir uns völlig verirrt haben, weil wir weder GPS-Empfang haben, noch uns andere Autos begegnen. Als wir die Hoffnung auf unser Überleben schon fast aufgegeben haben, kommen uns zwei Sprinter entgegen. Aus verlässlicher Quelle wissen wir, dass es die Busse der Bands sind, die schon am Freitag auf dem Festival gespielt haben. Wir schöpfen neuen Mut und es dauert nicht mehr lange, bis wir um 02:30 Ortszeit auf dem Festivalgelände eintreffen, wo wir direkt eine Führung über das Gelände bekommen.

 

Wir dürfen unsere Zelte netterweise direkt hinter der Bühne im Backstagebereich aufbauen. Sehr praktisch. Aber es gibt einen Haken. Als wir des Nächtens noch den normalen Campingplatz unsicher machen wollen, stellen wir fest, dass wir gefangen sind. Sämtliche Ein- und Ausgänge sind mit schweren Metallketten verschlossen. Nach minutenlanger, vergeblicher Suche, finden wir eine Hecke, durch die man unter höchsten Strapazen in die lang ersehnte Freiheit entwischen kann.

 

Auf dem Zeltplatz angekommen tun wir das, was wir am besten können: Unsinn. Unter anderem hängen wir wieder einige unserer Plakate mit wilden Versprechungen wie „Freibier“ oder „Strip-Show“ auf. Einige Biere und Schnäpse später ist es dann schon 06:00 Uhr und taghell. Zeit für uns, sich wieder durch die Hecke in Richtung Zelt zu quälen. Wir haben schließlich noch viel vor.

 

Das allgemeine Erwachen einige Stunden später zieht sich natürlich dementsprechend. Bennet und Philip sind früh wach und haben in der Zwischenzeit schon irgendwoher Frühstück organisiert. Vorbildlich. Wir müssen uns allerdings etwas beeilen, denn der nächste Tagesordnungpunkt nähert sich schon: In unserem jugendlichen Leichtsinn haben wir uns im Vorfeld beim offiziellen „Human Soccer“-Turnier des Festivals angemeldet und uns anschließend eine passende Mannschaft zusammengecasted. Dachten wir.

 

Nachdem wir mit ein paar Bieren trainiert haben, starten wir voller Optimismus ins Turnier – und versagen dort jämmerlich. Es gibt 6 Spiele für jede Mannschaft. Wir schaffen es, in keinem einzigen Spiel auch nur ein einziges Tor zu erzielen. Trotz sämtlicher uns zur Verfügung stehenden Gegenmaßnahmen (Positionswechsel, Bier) der Trainer Bennet und Finn ist das Ergebnis gelinde gesagt beschämend. Wir möchten diesen Misserfolg natürlich keinesfalls unseren gekauften Spielern anlasten – dieses Päckchen haben die DMF-Stammspieler ganz alleine zu tragen.

 

Nach dem desaströsen Turnier müssen wir auch schon aufbauen. Die Bühne der Marke „Eigenbau“ ist ungefähr ganz schön groß und der Sound auf- und vor der Bühne tierisch gut. Wir freuen uns. Auch unsere nächtliche „Promo“-Tour macht sich bemerkbar und der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt. Nach dem Auftritt haben wir noch ein relativ wildes Interview. Wild deshalb, weil wir und die Fragenstellerin schon gut angetrunken sind. Es werden interessante Dinge zu Tage gefördert. Beispielsweise kann Simon Ukulele spielen und ein Gabelbock kann schneller laufen als ein Gepard. Beides wusste die Band vorher nicht. Im Nachhinein können wir uns auch nicht mehr so gut dran erinnern, wie wir auf das Thema gekommen sind. Nachlesen konnten wir das zumindest noch nicht, weil bisher nicht veröffentlicht.

 

Anschließend erfreuen wir uns weiter am Programm des Festivals und beschließen spontan, noch eine weitere Nacht im Zelt zu verbringen und erst am Sonntag wieder gen Heimat zu fahren. Es soll Leute in der Band gegeben haben, die ungefähr gar keinen Schlaf mehr abbekommen haben, weil sie bis zum Morgengrauen den merkwürdigen Geschichten aus Torfmoorholm lauschen mussten.

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